Ein künstlicher Darmausgang wird medizinisch auch Stoma genannt. Er kommt zum Einsatz, wenn der eigene Darm seine Funktion nicht mehr erfüllen kann – etwa aufgrund von Darmkrebs oder anderen Erkrankungen. Wenn ein Stoma angelegt wird, braucht der Körper häufig etwas Zeit, um sich an die Veränderung anzupassen, das gilt auch für die Ernährung. Auf was Sie bei der Ernährung achten sollten und was gerade zu Beginn hilfreich sein kann, haben wir Ihnen nachfolgend zusammengetragen.
Ernährung mit Stoma
Wenn ein Stoma angelegt wird, können die Ausscheidungen zunächst dünnflüssig sein, und manche Betroffene haben mit Blähungen und Unverträglichkeiten zu kämpfen. Die gute Nachricht ist aber: Meist bessern sich solche Beschwerden nach einigen Monaten und die Verdauung normalisiert sich. In der Anfangszeit können folgende Tipps zur Ernährung helfen:
- Nehmen Sie vor allem leicht verdauliche Kohlenhydrate zu sich – zum Beispiel Brot, Kartoffeln, Reis oder Nudeln.
- Reduzieren Sie Ballaststoffe, denn sie können den Darm zusätzlich reizen.
- Nehmen Sie mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich.
- Um Ihre Verdauung zu entlasten, sollten Sie langsam essen und gut kauen.
Wenn der Darm sich an die neue Situation gewöhnt hat, können Sie nach und nach wieder zu einer normalen, ausgewogenen Ernährung zurückkehren. Eine spezielle Stoma-Diät gibt es dabei zwar nicht, doch einige Nahrungsmittel können Beschwerden wie Durchfall, Verstopfungen, Blähungen oder Geruchsentwicklung verursachen. Bei einem künstlichen Dickdarmausgang (Kolostoma) beeinflussen etwa folgende Lebensmittel häufig die Ausscheidungen:
- Blähend: Kohl, Hülsenfrüchte, Zwiebeln, kohlensäurehaltige Getränke
- Abführend: Kaffee, Cola, scharfe Gewürze, Fruchtsaft
- Stopfend: Bananen, geriebener Apfel, getrocknete Früchte, Schokolade
- Übelriechend: Eier, Fleisch, Fisch, Zwiebeln, Knoblauch
Bei einem Dünndarmstoma (Ileostoma) sind die Ausscheidungen grundsätzlich flüssiger. Das liegt daran, dass dem Stuhl normalerweise erst im Dickdarm das Wasser entzogen wird. Hier gilt: Sie sollten immer ausreichend viel trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
Ein Tagebuch zur Ernährung führen
Wenn Sie ein Stoma haben und unter Verdauungsbeschwerden leiden, dann kann Ihnen ein Ernährungstagebuch dabei helfen, Muster zu erkennen und so herauszufinden, auf welche Nahrungsmittel Sie verzichten sollten. Notieren Sie sich dazu jeden Tag, was Sie gegessen haben und welche Symptome Sie danach erlebt haben.
Sport und Bewegung mit Stoma
Nicht nur die Ernährung hat Einfluss auf das Leben von Menschen mit künstlichem Darmausgang – auch Bewegung im Alltag spielt eine Rolle. Die wichtigste Botschaft ist hier: Sie können auch mit Stoma weiterhin sportlich aktiv bleiben, denn Bewegung tut dem ganzen Körper gut und regt die Verdauung an.
Besonders Ausdauersport wie etwa Laufen, Radfahren oder Schwimmen sind geeignet, da sie das Herz-Kreislaufsystem stärken und wenig Druck auf den Bauchbereich ausüben. Intensives Bauchmuskeltraining kann hingegen eher ungünstig sein. Wenn Sie sich nicht sicher sind, welche Sportarten mit Ihrem künstlichen Darmausgang möglich sind, fragen Sie Ihren Arzt oder Stoma-Therapeuten.
Gut zu wissen: Schwimmen, Baden und Duschen sind mit einem Stoma normalerweise problemlos möglich. Der Stoma-Beutel kann dabei am Körper bleiben und bei Bedarf etwa mit einem speziellen Gürtel zusätzlich befestigt werden.
Reisen mit Stoma
Neben Ernährung und Bewegungsmöglichkeiten beschäftigt auch das Thema Reisen betroffene Menschen häufig. In der Regel müssen Sie auch mit einem künstlichen Darmausgang nicht darauf verzichten. Um die Reise in vollen Zügen genießen zu können, können Sie im Vorfeld jedoch schon einige Maßnahmen treffen:
- Alles Nötige mitnehmen: Am Urlaubsort sind nicht immer alle Materialien für die tägliche Versorgung erhältlich. Deshalb ist es ratsam, alles, was Sie für Ihr Stoma benötigen, selbst mitzunehmen. Denken Sie dabei auch an Müllbeutel – im Hotel wird der Restmüll meist nur einmal täglich geleert.
- Lieber mehr einpacken: Auf Reisen ist vieles anders: Sie nehmen vielleicht andere Nahrungsmittel zu sich, gehen im Meer baden oder schwitzen mehr als sonst. Das kann zur Folge haben, dass Sie den Stoma-Beutel häufiger wechseln müssen. Packen Sie also lieber etwas mehr Materialien ein.
- Bei Flugreisen ins Handgepäck: Wenn Sie mit dem Flugzeug verreisen, sollten Sie die Utensilien für Ihre Stoma-Versorgung im Handgepäck mitnehmen. So können Sie sicherstellen, dass nichts verloren geht oder erst Tage später ankommt.
Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie der Stoma-Beutel gewechselt wird und was Sie dafür benötigen, bietet Ihnen unser Artikel „Stoma: Wie Sie den Beutel richtig wechseln“ mehr Informationen.
Umgang mit einem künstlichen Darmausgang
Wenn Sie einen künstlichen Darmausgang bekommen, kommen vielleicht Fragen und Unsicherheiten auf wie etwa „Fällt das Stoma auf?“, „Soll ich mit anderen über mein Stoma sprechen?“, „Was, wenn das Stoma Geräusche macht oder unangenehme Gerüche verursacht?“. Vergessen Sie dabei nicht: Ein Stoma ist nichts Schlimmes, und die wenigsten Menschen reagieren negativ darauf. Vielleicht helfen Ihnen zudem folgende Tipps:
- Offenheit: Sie müssen natürlich nicht jedem von Ihrem Stoma erzählen oder Fragen beantworten, wenn Sie das nicht möchten. Doch ein offener Umgang mit dem Thema kann dazu beitragen, Vorurteile und Missverständnisse auszuräumen. Gerade Kinder fragen oft sehr direkt – auch ihnen können Sie kindgerecht erklären, was es mit Ihrem Stoma auf sich hat.
- Stoma-Beutel kaschieren: Niemand muss seinen Stoma-Beutel verstecken. Unter der Kleidung fällt er zudem meist weniger auf, als Sie vielleicht denken. Wenn Sie den künstlichen Darmausgang verbergen möchten, sollten Sie das passende Versorgungssystem auswählen: Ein einteiliges System zeichnet sich meist weniger stark unter der Kleidung ab. Es gibt auch spezielle Kleidung für Stoma-Träger, die den künstlichen Darmausgang noch mehr kaschiert.
- Austausch: Oft hilft es, sich mit anderen Menschen auszutauschen, z. B. in Selbsthilfegruppen. Vielleicht erleben Sie dabei, dass andere Betroffene ähnliche Sorgen und Probleme haben oder bekommen auf diese Weise nützliche Tipps für den Alltag mit Ihrem Stoma.

Liste mit Anlaufstellen
Gespräche mit anderen Betroffenen helfen im Umgang mit dem Stoma. Wir haben Ihnen deshalb eine Übersicht mit Kontaktstellen zusammengestellt.
Fazit
Die Veränderungen, die ein künstlicher Darmausgang mit sich bringt, können herausfordernd sein. Doch mit kleinen Anpassungen, etwa bei der Ernährung, beim Sport oder auf Reisen, lässt sich in der Regel ein weitestgehend normales Leben führen. Auch eine offene Kommunikation und der Austausch mit anderen Betroffenen können Ihnen im Umgang mit dem Stoma helfen.
